Nachhaltigkeit @ LivingLabs

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

Nachhaltigkeitsinnovationen in LivingLabs

Viele Produkt- und Dienstleistungsinnovationen scheitern ungeachtet hohen Nachhaltigkeitspotenzials entweder an mangelnder Nutzerakzeptanz oder können jenes, obzwar sie kommerziell durchaus angenommen werden, infolge unvorhergesehenen gegenläufigen Nutzerverhaltens nicht realisieren (sog. ‚Rebound‘-Effekte).

Um die Wirksamkeit von Innovationen im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung besser abschätzen und verfolgen zu können, erscheint es daher angebracht, von früh an ein breites Spektrum potentiell relevanter Nutzungsperspektiven zu identifizieren und zu erkunden - etwa via Szenarien, Problem-/Lösungsstrategien - und tatsächliches Nutzerverhalten auch in späteren Phasen im Produktlebenszyklus nach Markteinführung zu verfolgen.

Als prinzipiell vielversprechende methodische Ansätze und Umgebungen dazu, potentielle Nutzer und andere in ggf. relevante Wertschöpfungsketten involvierte Akteure sowie ggf. weitere Stakeholder bereits möglichst frühzeitig in die Produkt- bzw. Dienstleistungs-Entwicklung einzubeziehen bzw. sie in jeweiligem Nutzungsverhalten in ‚realen‘ lebensweltlichen Kontexten zu beobachten und resultierende Erkenntnisse im Sinne konkret umzusetzender Anforderungen in die (womöglich interaktive) Entwicklung neuer Produkte bzw. Prozesse zu überführen, lassen sich die sogenannten LivingLabs erachten.

Inzwischen wird eine größere Anzahl Einrichtungen betrieben, die als LivingLabs firmieren. Gleichwohl stehen eingehendere Untersuchungen im Hinblick auf spezifische Anforderungen noch aus, die LivingLabs erfüllen müssten, in denen lebensweltliche Situationen sowie Produkte (Sachgüter und Dienstleistungen) bzw. Prozesse auch hinsichtlich Nachhaltigkeitseffekten untersucht werden können, die deren Erzeugung bzw. Nutzung zuzurechnen wären.

Ziel des aktuellen Vorhabens ist es daher, den möglichen Beitrag der Umsetzung eines solchen Ansatzes in sogenannten NachhaltigkeitsLivingLabs (NLL) zu der Generierung von erfolgreichen systemischen Nachhaltigkeitsinnovationen zu ermitteln. Daraus sollen Maßnahmen für die Entwicklung einer deutschen Forschungsinfrastruktur für die Integration der nutzungsbezogenen Arbeits- und Lebenskontexte in die Entwicklung nachhaltiger Produkte (Sach- und Dienstleistungen) abgeleitet werden. Die Lösungsansätze sollen dazu beitragen, die im Produktions- und Konsumsystem genutzten Ressourcen signifikant effizienter einzusetzen, ohne dass diese Vorteile über besagte Rebound-Effekte neutralisiert werden.

Um dies zu erreichen, ergeben sich folgende konkrete Arbeitsziele:

  1. die deutsche Forschungs- und Entwicklungs- (FuE-) Landschaft im Hinblick auf geeignete Anknüpfungspunkte für eine interaktive und systemische Erforschung der Nutzung von Produkten und Dienstleistungen in häuslichem und betrieblichem Umfeld und ihrer Nachhaltigkeitsauswirkungen zu analysieren und ein Profil des diesbezüglichen Status Quo zu erstellen (Arbeitspaket 1: Bestandaufnahme),
  2. Felder (Technologien, Produkte, Dienstleistungen) zu identifizieren, in denen sich für die Nutzung von NLL besonders hohe Nachhaltigkeitspotenziale abzeichnen und im Abgleich mit europäischen und internationalen Aktivitäten Bedingungen für eine innovationsorientierte, international integrierte und wettbewerbsfähige deutsche FuE-Infrastruktur konzeptionell aufzuzeigen (Arbeitspaket 2: Potenzialanalyse),
  3. einen kontinuierlichen Strategischen Dialog mit relevanten Akteuren zu führen, um ein integriertes Chancen-/Risikoprofil zur Umsetzung von NLL zu entwickeln sowie Akteursgruppen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland zum Thema NLL zu vernetzen (Arbeitspaket 3: Strategischer Dialog), und
  4. Handlungsoptionen auf Basis einer Querauswertung der Projektergebnisse, die mit Hilfe geeigneter Analysen durchgeführt wird, zu identifizieren (Arbeitspaket 4: Synthese).

Das Projekt wird gemeinsam von den Partnern Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), Faktor 10 – Institut für nachhaltiges Wirtschaften und Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Verbundkoordination) im Auftrag des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bearbeitet.